Lithium-Ionen-Batteriebrände: Wie gut ist die Feuerwehr vorbereitet?
Die Ergebnisse einer deutschlandweiten Befragung des EST zum Umgang mit Lithium-Ionen-Batteriebränden sind jetzt in der Fachzeitschrift FEUERWEHR – Retten – Löschen – Bergen veröffentlicht.
Im Rahmen des Forschungsprojektes “LiBattFire” haben Mitglieder der Arbeitsgruppe um Dr.-Ing. Ralf Benger Einsatzkräfte sowie weitere Personengruppen, die in Kontakt mit derartigen Schadenslagen und Havarien stehen – etwa Nachsorgeinstitutionen, Versicherer und Berufsgenossenschaften – aus ganz Deutschland zu ihren Erfahrungen mit Bränden von Lithium-Ionen-Batterien (LIB) befragt. Die erhobenen Daten reichen von Kleinbatterien, über Fahrradakkus und E-Scooter bis hin zu E-Fahrzeugen. Insgesamt sind 177 vollständig ausgefüllte Fragebögen in die Auswertung eingeflossen, überwiegend von erfahrenen Einsatzkräften aus Freiwilligen Feuerwehren.
Zentrale Ergebnisse
Batterieelektrische Fahrzeuge und Mikromobilität dominieren die in der Umfrage erfassten Einsatzszenarien. Ursächlich hierfür ist auch die Methodik der Erhebung: Abgefragt wurden bis zu drei besonders einprägsame Erlebnisse, wodurch mediale Großereignisse überrepräsentiert sind. Kleinere, aber vermutlich deutlich häufigere Vorfälle mit Kleinbatterien – etwa Brände durch unsachgemäße Entsorgung im Hausmüll bei Werkstoff- und Recyclingbetrieben – bleiben dabei unterrepräsentiert.
Beim Eintreffen zeigt sich häufig bereits ein fortgeschrittenes Schadensbild mit Stichflammen, Knallgeräuschen und Rauchfreisetzung – das thermische Durchgehen hat oft schon eingesetzt.
LIB-Brände werden in der Praxis überwiegend mit klassischen Mitteln wie Wasser bekämpft – die etablierten Standardverfahren und -Technologien bleiben also tragfähig.
Der größte Handlungsbedarf liegt dagegen in der praxisnahen Aus- und Weiterbildung, vereinheitlichen Einsatztaktiken und der konsequenten Umsetzung der Einsatzstellenhygiene: So zeigte sich, dass derzeit mehr als die Hälfte der Feuerwehren bislang über keine definierten Taktiken für LIB-Brände verfügen. An dieser Stelle setzt das Projekt “LiBattFire” an, in welchem Schulungsmaterialien zum Umgang mit den spezifischen Risiken von Batteriebränden entwickelt werden, welche den aktuellen Stand wissenschaftlicher und praktischer Erkenntnisse zusammenführen, wie sie etwa den Informations- und Merkblättern des vfdb, der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), von Automobilherstellern sowie von Forschungseinrichtungen wie dem Institut für Brand- und Katastrophenschutz Heyrothsberge zu entnehmen sind.
Einen weiteren Schwerpunkt der Arbeiten stellen experimentelle Untersuchungen zur Kontamination von Persönlicher Schutzausstattung der Einsatzkräfte dar. Ziel ist es dabei, das Kontaminations- und Gesundheitsrisiko für Einsatzkräfte durch eine lagenweise Untersuchung des Kleidungsmaterials genauer zu bestimmen.
Das Forschungsprojekt LiBattFIre wird am Forschungszentrum Energiespeichertechnologien (EST) der TU Clausthal in Goslar gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Goslar durchgeführt und von der DGUV gefördert.
Die Rohdaten zur Umfrage sind frei zugänglich: https://doi.org/10.5281/zenodo.19915742
Der vollständige Fachbeitrag ist in der Fachzeitschrift FEUERWEHR, Ausgabe 7/2026 zu finden.
Kontakt:
Dr.-Ing. Ralf Benger
E-Mail: ralf.benger@tu-clausthal.de